„Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg.” (Laozi) – Projektdokumentation der Projektkurse in der Q1

Jeder große Plan beginnt mit einem leeren Ordner (Patricia Welsh) – und genauso starteten
die Schülerinnen und Schüler der Q1 vor einem Jahr ihre Projektkurse: Mit zunächst leerem
Ordner vor der Nase wurden Ideen für die Projektarbeiten gesammelt, wieder verworfen, es
wurde recherchiert, ausprobiert, gelesen, Entscheidungen wurden getroffen, aufgeschrieben,
überarbeitet und schließlich mit der Umsetzung gestartet. Am Ende des Projektkurses stand
auch in diesem Jahr wieder eine Präsentation, die auch für die Kolleginnen und Kollegen aus
den anderen Fachschaften zugänglich war. Die Fächer Deutsch und Geschichte machten
sich mit Hilfe verschiedener Software und Apps vertraut mit filmischer Darstellung. Das
Themenspektrum reichte dabei von „Was ist Populismus?“ über die Geschichte der Sklaverei
bis zu Goethes Entwicklung vom Rebellen bis zum Vertreter der Weimarer Klassik. In
Biologie wurden u.a. Powerpoint Präsentationen zum Thema Nachhaltigkeit
(Upcycling/Recycling) vorbereitet und im Fach Kunst lag der Schwerpunkt auf verschiedenen
Drucktechniken bei selbstgewählten Themen wie z.B. Musik, Tanz, Vergänglichkeit.

Berra Degerli wählte den Projektkurs in Kunst und entschied sich schnell für ein Thema,
welches sie bereits seit längerem interessiert: eine Darstellung der Weltreligionen mit dem
Fokus auf den Gemeinsamkeiten. Die Schülerin erklärte, dass sie bereits von ihren Eltern so
erzogen wurde, die verschiedenen Religionen zu respektieren und sich nicht auf die
Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeiten zu konzentrieren. Schließlich erwerbe man
durch die Religion eine Moral und verfolge als gläubiger Mensch gemeinsame Ziele wie
Frieden, Wahrheit, Liebe und Toleranz. Während die Betonung der Unterschiede eher auf
Gegensätzlichkeiten, Diskrepanzen und Uneinheitlichkeit ziele, finde man mit der
Fokussierung auf die Gemeinsamkeiten eher zu Stärke und Einheit und fördere das
Verständnis füreinander.

Die Oberstufenschülerin konzentrierte sich auf 4 der 5 Weltreligionen (den Buddhismus, das
Judentum, den Islam und das Christentum) und gestaltete mit Hilfe verschiedener
Drucktechniken und selbstkonstruierten Stempeln in Obstkisten und Kartons Beispiele
verschiedener Gemeinsamkeiten. So baut(e) sich jede der Religionen z. B. Häuser religiöser
Begegnungen wie Moscheen, Tempel, Synagogen und Kirchen, von Berra in leuchtenden
Farbtönen dargestellt als Linoldruck und jeweils einzeln, unterstützt durch kleine
Leuchtmittel, die die Farben der Fenster und jeweiligen religiösen Symbole erstrahlen
lassen. Die verschiedenen heiligen Schriften (Bibel, Koran, Pali- Kanon und Tanach) finden
sich in einer Art offenen Kiste wieder, die, inspiriert durch die Darstellung von Bühnenbildern
im D&G- Kurs, farbig gestaltet eine weitere Gemeinsamkeit der ausgewählten Religionen im
Hintergrund bereithält: Einen (Apfel-)Baum. Die Vorstellungen vom Jenseits realisierte die
Schülerin durch kleine Tore, die sich öffnen lassen und durch die man entweder das
Paradies oder eine Art Hölle betritt. Das Paradies, so erläutert Berra, sei in
Regenbogenfarben dargestellt, um zu zeigen, dass sich auch hier wie auf der Welt die
Diversität widerspiegele.

Die Arbeit der Oberstufenschülerin zeigt einige der vielen Berührungspunkte der Religionen.
Gerade an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule, wo viele Menschen mit verschiedenen
religiösen und kulturellen Hintergründen aufeinandertreffen und sich in einem
Klassenzimmer oft viele gelebte Weltreligionen nebeneinander wiederfinden, ist es wichtig,
die Gemeinsamkeiten wahrzunehmen. Dies ist ein Weg, das vermeintlich Fremde zu
verstehen und das Gefühl von Zusammengehörigkeit zu unterstützen und wachsen zu
lassen. Denn das gemeinsame Ziel kann auch auf verschiedenen Wegen erreicht werden.
„Wenn man mal verstärkt den Blick auf die Gemeinsamkeiten der Religionen lenkt, dann
fragt man sich, warum es diese großen Probleme, die durch das Ablehnen der anderen
Religionen entstehen, in der Welt überhaupt gibt. Ich jedenfalls bin froh, in der KTG zur
Schule zu gehen, wo ich selbst noch nie eine Diskriminierung wegen einer
Religionszugehörigkeit erlebt habe“, sagt Berra Degerli abschließend und packt sorgfältig
ihre Werke ein, die zum Teil als Ausstellungsstücke noch länger in der KTG bewundert
werden können.
(SEL)

(c) Kurt-Tucholsky-Gesamtschule

Kurt-Tucholsky-Gesamtschule