Rühmliches Ende eines schweren Prozesses

„Kafkabi – Der Prozess hat ein Ende- so lautete das Motto des diesjährigen Abiturjahrgangs. Dieses Motto war zum einen eine Anspielung auf die Pflichtlektüre „Der Prozess“ von Franz Kafka, zum anderen aber auch Ausdruck der großen Erleichterung, dass am 28.06.2018 in der Solarhalle der Kurt Tucholsky Gesamtschule mit der Aushändigung des Abiturzeugnisses ein mühsamer Lernprozess ein rühmliches Ende fand.

An diesem Tag erhielten 54 erleichterte und glückliche Schülerinnen und Schüler ihr Zeugnis und hatten damit, wie es unser Oberstufenleiter, Herr Meurer-Neuenhüskes formulierte, „sicher mehr erreicht, als vor 9 Jahren absehbar war. Viele hätten einen Bildungsabschluss erreicht, der in ihrer Familie noch nicht so oft erreicht wurde. Darauf dürften alle mit Recht stolz sein; auch Eltern und Verwandte.

Als Abiturientinnen und Abiturienten unserer Schule hätten die Schüler kulturelle, nationale und religiöse Vielfalt als bereichernden  Schatz kennen gelernt und damit „den größtmöglichen Entwicklungsschritt gemacht, der durch keine Note und keinen NC wiedergegeben wird: sich und die anderen unabhängig von Herkunft, Nation, Religion, Politik und Geld als gleichwertige Menschen zu begreifen und anzunehmen.“

Soweit die ehrlich rühmenden Worte des Oberstufenleiters, der zum Ende der Zeugnisfeier noch einmal die Stärken unserer Schüler  in den Mittelpunkt rückte, so wie es bereits zu Beginn auch die Lobrede des Schulleiters, Herr Schütz, getan hatte.

Im Mittelteil der Feier erklang aber auch ein anderer Ton. Das Beratungsteam der Jahrgangsstufe, Frau Loos und Herr Beckmann, nahmen mit sichtlicher Freude das Motto zum Anlass, um den Abiturienten den Prozess zu machen. Da wurde kurzerhand der ganze Jahrgang der Trägheit und der Ignoranz angeklagt, Vorwürfe und Vorurteile erhoben wie z.B., dass manche Schüler sich nur als temporäre Gäste der Schule verstanden hätten, die zur Schule kamen, wenn sie sonst nichts Besseres vorhatten. Während Frau Loos den Part der verdammenden Staatsanwältin übernahm, gelang es Herrn Beckmann in der Rolle des Verteidigers, die angeklagten Schwächen als Stärken zu zeigen, so z.B. die Faulheit als entspannte Gelassenheit zu sehen und die Ignoranz, das Nicht sehen wollen, als eine Form der Toleranz zu deuten, die wirklich jeden so sein lässt, wie er ist.

Schön zu sehen war die spontane und ehrliche Reaktion der Schüler, die zum Teil durch ihren Applaus die Anklagepunkte bekräftigten. Bereits vorher hatte Halime Olgun stellvertretend für die Schülerschaft in ihrer Rede sich besonders für die ausdauernde Geduld der Fachlehrer für „diesen chaotischen Jahrgang“ bedankt und allen Lehrern statt Riechsalz eine Duftblume überreicht, damit sie sich vor Ohnmachtsanfällen bewahren können. Halime stellte das Abitur als bewegenden Moment in dem Lebenslauf der Abiturienten mit einfühlsamer Türmetaphorik heraus und verband dies mit vielen Segenswünschen, denen sich alle gern anschlossen.

Halime führte gemeinsam mit Caner Sakarya souverän durch das Programm, welches durch musikalische Eigenkompositionen von Maream Agob, Michaela Ester Domke, Arian Willenberger und dem Achtklässler Dominik Wüsten umrahmt wurde.

Kulinarisch umrahmt wurde die Zeugnisverleihung von  einem Sektempfang mit kleinen Häppchen, den einige Schüler der Q1 engagiert gestaltet hatten.

So war die Abiturfeier wirklich ein rühmliches und gelungenes Ende eines oft schweren Lern- und Erkenntnisprozesses. Wir wünschen allen Abiturienten viel Erfolg bei ihrem weiteren Selbstverwirklichungsprozess!

(c) Kurt-Tucholsky-Gesamtschule

Kurt-Tucholsky-Gesamtschule